(For English text, see below)

Bau- und Mühlentechnik

Die Windmühle Labbus ist ein sogenannter Galerieholländer und basiert auf einem 6 Meter(bis Galerieboden) hohen gemauerten Achtkant aus Backstein, in dem sich der Mahlgang (früher mehrere Mahlgänge) befindet. Der Hauptzweck dieser Struktur ist, der Windmühle Höhe zu verleihen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde ein Vollkeller mit Hilfe eines Flüchtlings ausgeschachtet um E-Motor, Transmissionen und Ölpresse unterzubringen.

Die Galerie auf der 3. Ebene, die Zugang zu Flügeln und Bremse gewährt, war einsturzgefährdet und musste 2006 abgerissen werden. Die Galerie soll im Rahmen der Restaurierung ersetzt werden.

Der hölzerne Achtkant, der auf dem gemauerten Rumpf aufgebaut ist, ist eine 3-stöckige, sich nach oben verjüngende Konstruktion auf der oben die Kappe aufliegt. Die Kappe, in der sich u. a. Flügelwelle und Kammrad befinden, dreht sich automatisch durch eine Windrose in den Wind (die Kappe ist zur Zeit wegen technischen Problemen festgesetzt.)

 Die Mühle im Winter

Im Laufe der Jahrzente wurde sowohl mühlentechnísch, wie auch bautechnisch, einiges an der Mühle verändert. Der letzte Müller Henke hat allerdings immer dafür gesorgt, daß, anders als in vielen anderen Windmühlen, die Technik zum Windbetrieb erhalten blieb und in Stand gehalten wurde. Die letzten größeren Wartungsarbeiten fanden 1975 statt. Die Mühle war bis Mitte der 80er Jahre kommerziell in Betrieb und die Flügel haben sich Anfang der 90er Jahre das letzte Mal gedreht.

Ursprünglich wurde die Kappe durch einen langen Steert per Hand von der Galerie aus in den Wind gedreht. Der Steert wurde 1921 durch eine Windrose ersetzt. Die heutige Windrose stammt aus einer Mühle im südlichen Niedersachsen. Etwa 1995 waren die Blätter so morsch, daß sie von der Windrose abgenommen werden mussten.

Die Flügel der Windmühle waren ursprünglich mit Segeltuch bespannt. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt ein Flügelpaar Jalousien. Später wurden beide Flügelpaare mit den aktuell vorhandenen Jalousieklappen ausgestattet, die der abgerissenen Baumannschen Windmühle in Okel bei Syke entnommen wurden. Spitzen und Bruststück der Hausrute stammen ebenso wie das Stirnrad aus Aschen. Das Bruststück der Feldrute gehörte früher nach Hasbergen, wo es Teil eines Ventikant-Flügelpaares war. Die Spitzen der Feldrute wurden von der Schlosserei Wilhelm Laasch hergestellt.

Das Flügelkreuz 

Die Windmühle bekam 1912 einen Benzolmotor, der alle Einrichtungen mit Ausnahme der Ölmühle antrieb. Er stand im Erdgeschoß in einem kleinen Anbau im Bereich der heutigen Werkstatt. 1924 wurde der Benzolmotor durch einen Deutz-Diesel und anschließend durch einen Elektromotor ersetzt. Diese Motoren standen ebenfalls im kleinen Anbau.

Weil Heinrich Henke sich an den zahlreichen verlaufenen Transmissionen störte, legte er nach dem 2. Weltkrieg nachträglich einen Keller an. Zunächst war nur ein Schacht geplant, aber dann wurde mit Hilfe eines in der Nachbarschaft wohnenden Flüchtlings doch ein kompletter Keller angelegt. Vier Baumstämme wurden unter dem Erdgeschoßboden eingebaut, dann wurde rundherum abschittsweise der Boden bis zum alten Findlingsfundament abgetragen.

Ursprünglich hatte der 1851 errichte Galerieholländer ein Fachwerk-Nebengebäude an der Stelle des heutigen Sacklagers. Es beherbergte eine Ölmühle, die nicht über eine Transmission, sondern über eine Spindel (nach oben) und Kammräder (nach unten) angebunden war. Außerdem diente der Fachwerkanbau als Werkstatt. Anfang der 20er Jahre wurde der Fackwerkanbau an der Nordwestseite der Mühle zugunsten einer neuen, größeren Querdurchfahrtsscheune ersetzt, die zunächste verbrettert war und später ummauert wurde (der heutige Sacklager). In den 50er Jahren baute Heinrich Henke die Scheune um: damit sie besser als Lager für die Mühle zu nutzen war, erhielt sie außen eine Rampe und innen einen neuen hölzernen Füßboden auf dem Niveau dieser Rampe. Ein am Rande des Achtkantes abgeteilter Raum diente als Aufenthaltsort für Mitarbeiter der Mühle und Spedition. Das Kontor befand sich im Müllerhaus und ist jetzt Büro der Familie Hansing.

Die hölzerne Königswelle ("Spindel") der Mühle war durch einen Blitz von oben bis unten gespalten; Bänder hielten sie danach notdürftig zusammen. Die heute in der Mühle befindliche Eisen-Königswelle kam um 1948 aus Binnen, wo die Mühle der Brüder Bockmann im Krieg durch Fliegerbeschuß beschädigt worden war und nun in Ermangelung eines Nachfolgers aufgegeben wurde.

 Das Kammrad

An der Königswelle aus Binnen befand sich anfangs das Holzstirnrad. In den 70er Jahre holte Heinrich Henke das heutige Stirnrad aus Aschen. Statt Holzarmen wie dort erhielt es in Labbus Eisenarme. Nachdem das alte Holzkreuz unter dem Stirnrad stark zu knarren begonnen hatte, wurde es gegen das jeztige Eisenkreuz ausgewechselt. Die Kämme des Stirnrades hat Henke selbst angefertigt; es liegen heute noch einige fertiggeschnitzte Reservestücke in der Mühle.

Die hölzerne Flügelwelle mit ihrem eisernen Wellkopf befindet sich seit 1913 in der Mühle. Der Wellkopf wurde in einer Eisengießerei in Osnabrück oder Bramsche speziell für die Mühle angefertigt.

Auf dem Galerieboden gab es früher einen Schrotgang und einen Beutelgang. Der Schrotgang (Durchmesser 1,80m) wurde Anfang der 30er Jahre ausgebaut. Der Beutelgang (1,50m) existierte bis in die 20er Jahre. Die Mühle hatte außerdem einen Graupengang, dessen Umfassungssteine zum Teil auf dem Grundstück vorhanden sind.

Im Erdgeschoß steht heute noch ein Schrotgang (1,45m). Die Steine stammen von der Firma Heinz in Hude. Er konnte im Erdgeschoß wahlweise mit Wind (stehende Welle mit gusseinernem Ritzel) oder mit Motor (per Riemenscheibe) angetrieben werden. Früher saß dieser Schrotgang oben in der Mühle, wo er mit Wind angetrieben wurde.

 Der Schrotgang im Erdgeschoß 

Im Keller steht eine Hammermühle und Anfang der 50er Jahre wurde ein Doppelwalzenstuhl bei Rosenkranz in Nienburg ausgebaut und im Erdgeschoß der Mühle eingebaut. Somit ist auch "moderne" Mühlentechnik vorhanden. Es liegen auch noch alle Werkzeuge und Zubehör in der Mühle, die zum Müllerhandwerk gehörten.

Insgesamt kann man in der Windmühle in Labbus den früheren Betrieb, die technischen Zusammenhänge sowie die Weiterentwicklung der Mühlentechnik sehr gut nachvollziehen. Somit ist eine Mühlenführung (eventuell noch mit anschließendem Mahlen) eine wirklich faszinierende Angelegenheit für Kinder und Erwachsende.

Betrieb, Technik und bauliche Veränderungen

  • 1912 Einbau eines Benzolmotors in Nebengebäude (heutige Werkstatt)

  • 1921 Windrose ersetzt vorherigen Steert

  • 1924 Benzolmotor weicht einem Deutz Diesel

  • nach 2. WK Keller wird angelegt und beherbergt heutigen E-Motor sowie eine Hammermühle (Einbau unbekannt)

  • um 1950 Einbau Walzenstuhl

  • Mühle war bis Mitte der 80er Jahre in regulären Betrieb

  • Anfang 90er Jahre drehten sich die Flügel ein letztes Mal

Vorhandene Mühlentechnik

  • 1 Schrotgang im Erdgeschoss (z. Zt. nur durch im Keller befindlichen E-Motor zu betreiben)

  • Ein Doppelwalzenstuhl, Einbau ca. 1950

  • 1 Hammermühle

  • 2 Sackwaagen

  • 1 Durchlauf- / Absackwaage Einbau 1973 (funktionsfähig)

  • 2 Mischer, erbaut von Firma Laasch aus Sudwalde (einer funktionsfähig)

  • 3 Elevatoren (funktionsfähig)

  • Sackaufzug (funktionsfähig)

  • Saatreiniger der Marke Petkus im Sacklager  Absackwaage im 1. Stock

Construction and engineering

The windmill is built on a three-story octagonal redbrick base which contains the millstones. The primary purpose of this structure is to provide height for the windmill. A basement level was added after the Second World War to house the electric motor and its' transmissions as well as an oil press. The wooden gallery or "luffing stage" at the third level, accessible from inside the windmill, was used to access the sails and braking mechanism. The gallery had never been fully replaced, only repaired, since the mill was originally built, and was in very poor condition, and partially collapsed. It was torn down in July 2006 and will be replaced as part of the restoration process.

The Achtkant ("octagon") which sits on the base is a three-story wooden structure. The cap at the top of the windmill, on which the sail cross is mounted, is designed to automatically turn into the wind using a fantail. In the original construction, a long tail-pole would have been used to manually turn the cap and sails by pushing it around from the gallery. The windmill originally had cloth sails but after the 2nd World War, these were replaced with shuttered sails; the current shutters were taken from a demolished windmill near Syke, a local town.

The windmill was converted to diesel, then electric power but Heinrich Henke, the last miller, continued to ensure that the gearing and mechanics of the windmill were maintained. The last restoration work was carried out in 1973. The mill was in use for industrial purposes until the mid 1980s, and the sails last turned in the early 1990s. The mechanism of the windmill is still almost completely in situ, however it will require quite extensive repair and restoration before the cap and sails will turn once more.

 Schaukasten mit Müllerwerkzeug

A range of equipment representing a century and more of milling technology is still present in the mill and is mostly in working condition. All of the tools and equipment required for the miller’s trade are still in place. A tour of the windmill, with an opportunity to see the millstones in action, is a fascinating experience for adults and children alike.